Glarus tragische Geschichte

Glarus ist in erster Linie fürs «Glarnertuch» bekannt. Mehrere Generationen brauchen das Tuch bis heute gerne, sei es als Halstuch, Bandana oder manchmal auch als Nastuch. Ein weiterer Grund, warum Glarus – zumindest unter Schweizern – bekannt ist, ist aber eine traurige Angelegenheit: die letzte dokumentierte Hexenverbrennung fand dort statt.

Anna Göldin

Anna Göldin wuchs ärmlich auf und arbeitete als Magd bei reichen Herrschaften. Als die Tochter der Familie anfing, Nägel zu spucken und Nadeln in der Milch hatte, war bald klar, wer Schuld trug und bestraft werden musste; Anna. Augenscheinlich hatte die Magd das Töchterchen verhext. Dass das Unsinn ist, ist klar. Man vermutet heute sogar, dass ihr Arbeitgeber, der Hausherr, ein Verhältnis mit ihr hatte und da das nicht gern gesehen war, mussten die Behörden Anna irgendwie aus dem Weg schaffen. Ihre Hinrichtung 1782 war die letzte legale Hexenhinrichtung und rief europaweit Empörung hervor.
Das Schicksal der armen Anna Göldin wird auch heutzutage immer wieder aufgerollt und ist in vielen Schulen behandelter Stoff. Anna Göldin ist ein Museum gwidmet, welches in Ennenda stationiert ist. Es beschäftigt sich aber nicht nur mit vergangener Ungerechtigkeit, vielmehr thematisiert es auch das Thema Menschenrechte heute. Ein Besuch lohnt sich!

Kein Kleinstädtchen, wie jedes andere

Nach einem Besuch im Museum lohnt es sich noch durch die Stadt Glarus zu bummeln. All die Herrenhäuser, an denen man vorbeizieht, rufen mir immer wieder Anna Göldin in Erinnerung. Sie hat eine gewisse Eleganz, diese Bergstadt, aber die Leidensgeschichte der «Letzten Hexe» und die Berge im Hintergrund verstärken eine gewisse Melancholie.
Das Treiben in der Kleinstadt ist sehr entspannt. Die Strassen sind ruhig, die Leute gemächlich. Die Stadthäuser sind hübsch und gepflegt, ohne aufgesetzt zu wirken.
Der Kanton Glarus war eine der ersten und die am stärksten industrialisierten Gegend der Schweiz. Dies sieht man noch heute gut an den zahlreichen Fabrik-Schornsteinen, an denen man vorbeifährt.
Glarus bietet als Erkundungsgebiet für jeden etwas, dies hat mich sehr «gluschtig» auf weitere Reisen ins Glarnerland gemacht. Wenn du auch gerne Kultur, Natur und Geschichte mit einer Reise verbindest, dann empfehle ich dir einen Ausflug dorthin. Viel Spass!

Fotos: Antonia Stadler

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